Aktuell wird in der Hansestadt Osterburg (Altmark) über den Verbleib des Kreismuseums sowie die Nutzung des Verwaltungsgebäudes am Platz des Friendens diskutiert. Landrat Patrick Puhlmann stellte am Dienstagnachmittag (27.01.2026, ab 16:30 Uhr) seinen Vorschlag an den Kreistag den Bürgerinnen und Bürgern in der Sekundarschule "Karl Marx" vor. Dieser sieht einen Verbleib des Kreismuseums und einen Umzug der Abfallentsorgung Landkreis Stendal (ALS) Dienstleistungsgesellschaft nach Stendal vor. Etwa 25 Interessierte, darunter Kreis- und Stadtratsmitglieder, waren der Einladung gefolgt.
Umzug kann Abfallgebührenzahlern bis zu 150.000 Euro jährlich sparen
Puhlmann sagte gleich zu Beginn, dass die Kreisverwaltungin den vergangenen zwei Jahren intensiv daran gearbeitet hat, Lösungsmodelle für das Kreismuseum zu erarbeiten. Dies mündete nun in den Vorschlag, welchen der Landrat bereits in der Vorwoche im Kreisausschuss vorgestellt hat. Dieser sieht zum einen vor, dass der ALS-Verwaltungssitz nach Stendal verlegt wird. "Seitdem die Hansestadt Osterburg Interesse am Objekt am Platz des Friedens als Verwaltungssitz hatte, hat sich die ALS mit Standortlösungen beschäftigt. Daraus entstand der Vorschlag, im Rahmen der Rekommunalisierung und des Neubaus an der Abfall- und Umladestation in Stendal, den Verwaltungssitz dorthin zu verlegen", erklärte der Landrat und begründete dies mit Kosteneinsparungen. "Bis zu 150.000 Euro stehen hier für die Abfallgebührenzahler, also uns alle, jährlich im Raum. Da ist es meine Pflicht, so einen Vorschlag dem Kreistag vorzulegen", fügte Puhlmann hinzu.
Dazu trug Susanne Hoppe vor, dass es schon nach der Kreisgebietsreform 1994 das Ziel war, die ALS nach Stendal zu verlegen. Da sich für das Gebäude am Platz des Friedens aber kein Käufer fand, zog letztlich die ALS dort ein, so die Dezernentin des Landkreises Stendal. Für eine Nachnutzung sieht der Landrat keine Sorge: "Wir haben aktuell Raumnotstand, mieten teure Objekte an. Bevor das Gebäude in Osterburg leer steht, ziehen dort Mitarbeiter der Kreisverwaltung ein."
Vorschlag: Hansestadt saniert Kreismuseum, Landkreis betreibt es weiter
Zum Kreismuseum Osterburg betonte Puhlmann trotz der baulichen Mängel am historischen Standort, dass es "zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt wurde. Die Frage ist: Wo ist es beheimatet?" Zum Zustand des Objekts berichtete Janine Behrendt den Gästen. Die Amtsleiterin für Hochbau und Gebäudemanagement in der Kreisverwaltung stellte dazu die letzte Kostenschätzung nach Kostenkennwerten für eine Sanierung in den Raum. Derzeit wird von 4,8 Millionen Euro ausgegangen. "So eine Sanierung wird bei der aktuellen Haushaltslage durch die obere Kommunalaufsicht abgelehnt, da wir keine Unabweisbarkeit anführen können", erläuterte Behrendt die Rechtslage. "Für einen überschuldeten Landkreis ist es schwierig, in eine defizitäre freiwillige Aufgabe zu investieren", ergänzte Susanne Hoppe.
Das Gebäude aus Mitteln des Sondervermögens zu sanieren, sei nicht möglich. "Das ist nicht so viel, als dass wir damit alles machen können, was gerade ansteht", betonte Patrick Puhlmann. "Wir wollen trotzdem machen, was möglich ist." Mit Blick auf das Kreismuseum haben Hansestadt und Landkreis gemeinsam nach Fördermöglichkeiten gesucht und sind an einer Stelle fündig geworden. "Die Stadt kann Städtebaumittel einsetzen, der Landkreis hat keine Möglichkeit", erläuterte Puhlmann. Daher lautet sein Vorschlag an den Kreistag: „Wir bieten das Objekt der Hansestadt Osterburg für einen symbolischen Wert an, die es dann mit Städtebaumitteln saniert. Der Landkreis Stendal sichert im Gegenzug zu, es weiterhin als Kreismuseum zu betreiben“, so der Landrat, der davon ausgeht, dass der Kreistag zudem bei anderen gemeinsamen Anliegen Mittel findet, um die Hansestadt Osterburg finanziell mit größerem Anteil unterstützen zu können, etwa im Straßenbau, der auch für kreisliche Belange von Interesse ist.
Schulz: "Der Verfall könnte beim Weg des Landrates vermieden werden"
Unter den Besuchern der Informationsveranstaltung befand sich auch Nico Schulz. Das Kreistagsmitglied ist zugleich Bürgermeister der Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg (Altmark) und äußerte sich nach den Ausführungen des Landrates. "Ich kann jetzt noch keine Meinung abgeben, solange die Sanierungskosten nicht klar ermittelt sind. Es hängt natürlich von der Höhe ab", so das Stadtoberhaupt. Er betonte, dass das Kreismuseum sowie das Gebäude am Platz des Friedens bedeutende Einrichtungen der Hansestadt sind. "Sein Gebäude macht den Wert des Kreismuseums aus", unterstrich Schulz. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei diesem Zustand ein Privatinvestor das Objekt übernimmt. Der Verfall könnte beim Weg des Landrates vermieden werden. Ich halte es für wichtig, dass die Hansestadt hier auch ihren Beitrag leistet. Wenn das derzeit von der ALS genutzte Gebäude als Verwaltungssitz dient, könnte dieser Weg erfolgreich sein", sagte der Osterburger Einheitsgemeinde-Bürgermeister weiter. Zuspruch gab es auch von Norbert Lazay. Der Hansestadt-Ehrenbürger war ebenso im Publikum und betonte, dass das "für alle Seiten eine gute Lösung ist."
Abzuwarten bleibt nun im nächsten Schritt das Votum des Kreistags und die gutachterliche Einschätzung der tatsächlich erwartbaren Sanierungskosten.


