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17. April 2018

Ärztliche Versorgung rasch sichern

Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt (SGSA) sieht Lage im ländlichen Raum als "kritisch" an - Empfehlungen für Maßnahmen in "Osterburger Erklärung" verabschiedet

Das Präsidium des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt (SGSA), darunter der Präsident des Gremiums Dr. Lutz Trümper, sowie Amtskollegen u. a. aus Gardelegen, Havelberg, Arendsee, Naumburg, Halle, Wittenberg, Magdeburg, Ilsenburg (Harz), Landsberg, Dessau-Roßlau, Seeland, Freyburg oder Mansfelder Grund-Helbra traf sich am Montag, 16. April 2018, zu einer zweitägigen Klausurtagung an der Landessportschule Osterburg. Nach einem gemeinsamen Stadtrundgang durch die Biesestadt, bei dem Museumsleiter Frank Hoche historisch bedeutsame Eckpunkte erklärte und Bürgermeister Nico Schulz auf infrastrukturelle Besonderheiten und Entwicklungen hinwies, verabschiedete das Präsidium am heutigen Dienstag, 17. April 2018, beispielsweise ein Thesenpapier "Osterburger Erklärung" zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum.

Inhalte & Maßnahmen der "Osterburger Erklärung"

Inhalt der erarbeiteten sogenannten "Osterburger Erklärung" des SGSA sind Maßnahmen, die eine Verschärfung der ärztlichen Unterversorgung in den ländlichen Gebieten entgegenwirken können. Thematisiert wird unter anderem:

  • Sicherstellungsauftrag erfüllen: über eine Erhöhung der Niederlassungszuschüsse für neue Praxen im ländlichen Raum durch die Kassenärztliche Vereinigung und die Länder (derzeitige Förderung in Form eines Investitionskostenzuschusses in Höhe von max. 60.000 Euro)

  • Örtlichen Rechtsanspruch schaffen – kleinräumige Versorgungsplanung: "Der Planungsbereich für Fachärzte ist sehr groß gefasst, hier bei uns gilt der gesamte Landkreis Stendal als Bemessungsgrundlage. Das ergibt eine paradoxe Situation, denn der Landkreis Stendal gilt als medizinisch ausreichend versorgt, zum Teil sogar übervorsorgt. Davon spüren wir in Osterburg oder Seehausen aber nichts", mahnt Nico Schulz. Eine neue Fachärztin / ein neuer Facharzt könnte sich demnach gar nicht ansiedeln, selbst wenn er oder sie das wollen würde. Für eine Kinderärztin / einen Kinderarzt gelten 2.405 bis 3.859 Kinder als Richtwert. "Damit könnten wir hier in Osterburg eigentlich 2,5 Kinderarztpraxen haben. Darum ist die Regionalisierung, eine kleinräumige Bedarfsplanung, eine Kernforderung an die Bundesebene, bei denen die Verantwortung liegt."

  • Stellenwert der Allgemeinmedizin erhöhen: In der universitären Ausbildung muss die Allgemeinmedizin einen höheren Stellenwert erhalten. Während des Studiums sollten die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte Praktiken in Hausarztpraxen absolvieren müssen. Der "Masterplan Medizinstudium 2020" greift Teile dieser Forderung auf. Als Anreiz für eine Niederlassung in strukturschwachen Räumen wird den Ländern darüber die Einführung einer sogenannten Landarztquote ermöglicht.

    "Es wird Zeit, dass dies in Sachsen-Anhalt umgesetzt wird", unterstreicht Nico Schulz im Rahmen der SGSA-Klausurtagung die bereits ein Jahr alte Offensive. "Davon bin ich von Anfang an überzeugt und froh, dass dies nun Eingang in die Gemeinschaftserklärung des Städte- und Gemeindebundes gefunden hat und heute auch von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff aufgenommen wurde." Man sollte es Sachsen-Anhaltern ermöglichen, über eine entsprechende Quote an der Universität erst gar nicht die Heimat für Ausbildungszwecke verlassen zu müssen.

    Und dafür legte Dr. Burkhard John, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, harte Fakten auf den Tisch. 80 Prozent der Studierenden verlassen Sachsen-Anhalt nach der Ausbildung wieder. Die Statistik aber zeigt auch: Von den Sachsen-Anhaltern, die im eigenen Land studieren, bleiben dagegen 80 Prozent danach auch in der Heimat. Allein das spricht dafür, den eigenen Nachwuchs zu Ärzten ausbilden und dann hier zu halten, um die medizinische Versorgung von morgen zu sichern.

  • Ärztezentren fördern: Gemeinschaftspraxen, Ärztehäuser oder lokale Gesundheitszentren sind weiterzuentwickeln. Hausärzte und Fachärzte, medizinische Fachangestellte oder Arztassistenten und Pflegekräfte müssen dort gemeinsam ihre Leistungen anbieten können. Gesundheitszentren können mit den Kliniken und Pflegeeinrichtungen gerade für die älter werdende Gesellschaft integrierte Versorgungskonzepte anbieten. Notwendig sind dafür neue gemeinsame Finanzierungswege durch Krankenkassen, Pflegekassen, Kassenärztliche Vereinigungen sowie weitere Institutionen im Gesundheitswesen.

  • Kommunale Aktionspläne erstellen: Kommunen sollten bei der Ärztewerbung ein ähnliches Standortmarketing betreiben wie bei der Ansiedlung von Betrieben und Unternehmen. Unabhängig von der Finanzkraft sollten die Städte und Gemeinden mit den Kassenärztlichen Vereinigung Kontakt aufnehmen und gemeinsam nach geeigneten Maßnahmen suchen und die Planungen abstimmen. Osterburg ist mit seinem im Mai 2017 verabschiedeten "Leitfaden zur Ärzteversorgung" und daraus bereits umgesetzten Einzelbausteinen wie einem Medizinstipendium oder dem Bürgerbus sowie eine aktive Unterstützung bei der Praxisübernahme von Ärzten, die in den Ruhestand eintreten, bereits wichtige und richtige Wege gegangen, auch wenn dies keine kommunale Aufgabe ist.

Die heute verabschiedete "Osterburger Erklärung" des SGSA, die insgesamt zehn Punkte umfasst, soll als Grundlage für Gespräche mit den in der Gesundheitspolitik Verantwortlichen sowie als Handlungsgrundlage für kommunalpolitische Entscheidungen dienen. "Auch wenn wir nicht in erster Linie dafür die Verantwortung tragen", erläutert Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, "sind wir erster Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Bürger." Die Kommunalpolitik könne nicht die Augen davor verschließen, dass sich immer mehr Bürger um ihre medizinische Versorgung im Alltag sorgen. "Wir brauchen viel mehr Anreize, sich im ländlichen Raum zu engagieren und hier eine Praxis zu unterhalten", bekräftigt Nico Schulz, selbst Präsidiumsmitglied beim SGSA.

"Meine Erfahrung ist, dass wir Bürgermeister über einen Interessenverband bei kommunalpolitischen Anliegen nicht nur angehört werden, sondern tatsächlich etwas bewegen können." Gut durchdachte und strukturierte Argumente fänden so den Weg in Verhandlungsrunden und Gesetzesvorlagen. "Wir können gemeinsam stark im Verbund agieren und so letztlich jeder für seine Kommune etwas bewegen, was sonst eher unwahrscheinlich ist", sieht er die wesentliche Funktion des SG als "Sprachrohr der Gemeinden". Behandelt wurden außerdem die Neuordnung der Grundsteuer, um Städten und Gemeinden Sicherheit zu geben sowie die Reform des Kinderförderungsgesetzes in Sachen-Anhalt.

 

 

 

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