Dequede

Der Ortsteil Dequede stellt sich vor:

Foto: Hansestadt Osterburg

Kirche in Dequede

Foto: Hansestadt Osterburg

Dorfgemeinschaftshaus in Dequede

Foto: Corrie Leitz

Straßenansicht von Dequede

Dequede liegt eingebettet in Felder, Wiesen und Wälder etwa sieben Kilometer nordwestlich von Osterburg. Teile der Gemarkung gehören zum Landschaftsschutzgebiet „Ostrand der Arendseer Hochfläche“. Als ehemaliger Ortsteil von Krevese gehört das Dorf seit Juli 2009 zur Einheitsgemeinde Osterburg und ist einer ihrer kleinsten Orte. Dequede ist vor allem in großen Teilen Ostdeutschlands durch seinen Fernsehturm (Höhe 184,5 m) bekannt, welcher 1956/59 als zweiter in ganz Deutschland und erster in Spannbetontechnik errichtet wurde und weite Teile der ehemaligen DDR mit dem Fernsehprogramm versorgte. Der Ort selbst ist u. a. dadurch interessant, dass seine historische Siedlungsstruktur aus mittleren und kleinen Höfen im Unterschied zu vielen anderen Dörfern der Region ohne größere Einschnitte erhalten geblieben ist. Auch die kleine Dorfkirche ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Dass dieses Kleinod auch heute noch zu besichtigen ist, ist vor allem dem außergewöhnlichen Engagement der Dequeder Einwohner zu verdanken. - Als um die Jahrtausendwende aufgrund starker Schäden die baupolizeiliche Sperrung drohte, wurde die Kirche von einem Großteil der Dorfbewohner in Eigeninitiative wieder Instand gesetzt.


Frühe Geschichte

Der Ortsname von Dequede ist deutschen Ursprungs und bedeutete vermutlich „Teichquelle“. Möglicherweise nimmt der Name also Bezug auf die drei einst im Ort vorhandenen Teiche, deren größter sich noch bis in das 20. Jhdt. hinein in der Ortsmitte gegenüber der Kirche befand. Nach dem Dorf benannte sich eine ritterliche Familie, welche 1275 mit dem Stendaler Domherrn Arnold erstmals urkundlich in Erscheinung trat, später vor allem in Deetz und Badingen begütert und in der Altmark zuletzt bis 1811 in Königsmark ansässig war. Dequede war spätestens seit dem ausgehenden Mittelalter eines der dreizehn Eigendörfer des Klosters Krevese. Nach dessen Säkularisierung 1541 gehörte es zu dem aus dem Klosterbesitz gebildeten landesherrlichen Gut und gelangte schließlich 1562 gemeinsam mit den anderen ehemaligen Klosterbesitzungen an die Familie von Bismarck, welcher in jenem Jahr das Gut Krevese im Zwangstausch gegen ihr Schloss Burgstall übertragen wurde. Zum Gut gehörte auch das nahe Dequede belegene Vorwerk Röthenberg, welches erst im Laufe des 20. Jhdts. zu einer kleinen Siedlung gewachsen ist.


Die Dorfkirche

Die kleine Feldsteinkirche wurde vermutlich im ausgehenden 12. Jhdt. als zweiteiliger Bau mit eingezogenem Chor und geradem Abschluss erbaut. Auf der Nordseite des Schiffs findet sich noch ein vermauertes romanisches Portal mit Feldsteingewänden und Kapitellen mit Platte und Kehle aus Backstein, im Giebel des Chores sowie am ehemaligen Westgiebel des Schiffs je ein vermauertes romanisches Fenster.

Der heutige saalartige Kirchenraum entstand erst im 18. Jhdt. durch die Erweiterung des Chores auf die Breite des Schiffs. Diese Verbreiterung ist an der Rückseite des Chores anhand des unterschiedlichen Feldsteinmauerwerks und der Ergänzung des Giebelmauerwerks in Backstein deutlich erkennbar. Bei diesen Umbauten wurde gleichzeitig der ursprüngliche Glockengiebel durch einen Fachwerkturm über dem Westende des Schiffs ersetzt. Der Innenraum erhielt bei der Erweiterung eine flache Putzdecke. Im Kircheninnern beeindruckt ein großer Kanzelaltar aus dem Jahre 1804, welcher mit seinen seitlichen Durchgängen die gesamte Ostseite des Kirchenraums einnimmt. Das Gestühl, die Westempore und Orgel stammen hingegen vom Ende des 19. Jhdt.


Vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Um 1800 lebten in Dequede 96 Menschen, die wirtschaftliche und soziale Struktur entsprach noch ganz den spätfeudalen Verhältnissen. So gab es insgesamt elf Bauern- und drei Kossatenhöfe, eine Büdnerstelle ohne Landbesitz und zwei Einliegerhaushalte, deren Mitglieder zur Miete wohnten. In der ersten Hälfte des 19. Jhdt. erfolgte dann wie in fast allen altmärkischen und preußischen Dörfern auch in Dequede die Separation der zuvor noch dem Flurzwang unterworfenen bäuerlichen Ländereien und die Ablösung der feudalen Berechtigungen. Im Gegensatz zum üblichen Verfahren wurde die feudalen Verpflichtungen der Dorfbewohner gegenüber dem Kreveser Gut bereits 1818 im Rahmen eines Aufkaufs des Guts durch die Bauern der Gutsdörfer aufgehoben. Die gemeinschaftliche Bewirtschaftung des Guts konnte von den Dorfbewohnern allerdings nicht aufrechterhalten werden, so dass weitere Teilungen und Verkäufe folgten und der Hauptteil i. J. 1819 wieder an eine adlige Familie - die von Jagow auf Scharpenhufe - gelangte. Mit den Reformen der ersten Hälfte des 19. Jhdt. waren sowohl die individuelle Bewirtschaftung als auch der freie Grundstücksverkehr einschließlich Besitzteilungen und -vergrößerungen möglich geworden. Dies führte zusammen mit anderen Faktoren seit der Mitte des 19. Jhdt. zu einem Aufschwung der Landwirtschaft. Begleiterscheinung war aber auch eine zunehmende soziale Differenzierung. Gleichzeitig kam es im 19. Jhdt. zu einem recht bedeutenden Bevölkerungswachstum. Diese Entwicklungen lassen sich auch in Dequede beobachten. So lag bereits 1840 die Einwohnerzahl mit 129 um 34 Prozent über der des Jahres 1800 und stieg bis 1871 auf 154. Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jhdt. verharrte sie dann auf etwa diesem Niveau und stieg erst in den 1930er Jahren erneut an (1936: 185). Ausdruck dieser Entwicklung war u. a. die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes um die Mitte des 19. Jhdt., in welchem noch bis 1961 unterrichtet wurde. Damals gehörte auch das Vorwerk Röthenberg bereits zu Dequede.


Entwicklung während der Nachkriegszeit und in der DDR

Während die im Herbst 1945 eingeleitete Bodenreform in Dequede keine unmittelbaren Folgen hatte, stellte die Unterbringung und Versorgung der zahlreichen Kriegsflüchtlinge und Vertriebenen eine große Herausforderung dar. Hatten 1936 in Dequede und Röthenberg insgesamt 185 Menschen gelebt, so waren es im Herbst 1946 310 - ein Anstieg um mehr als zwei Drittel.

Die 1950er Jahre standen in der DDR auf dem Lande ganz im Zeichen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Während in Krevese und Polkern schon zu Beginn der 1950er Jahre die ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gegründet wurden, wehrten sich die Dequeder noch einige Jahre erfolgreich gegen diese Entwicklung. 1958 wurde die LPG „Frieden und Einheit“ vom Typ III gegründet, im Zuge des sogen. „sozialistischen Frühlings“ 1960 die LPG „Heidland“ vom Typ I. Die zweite Hälfte der 1960er Jahre war in der Landwirtschaft durch die Bildung von Kooperationsgemeinschaften gekennzeichnet. In einer solchen KOG waren auch die beiden Dequeder Genossenschaften mit jenen von Röthenberg, Polkern, Krevese, Zedau und Krumke vereint. Die Kooperationen wurden in den folgenden Jahrzehnten ausgebaut und vertieft, Genossenschaften zusammengeschlossen, die verbleibenden spezialisierten sich auf Tier- oder Pflanzenproduktion. Dequede wurde einer der Standorte der Zwischengenossenschaftlichen Einrichtung (ZGE) Schweineproduktion Ballerstedt. Auch territorialpolitisch kam es zur Bildung größerer Strukturen. Bereits 1950 war Polkern nach Dequede eingemeindet worden, 1974 schließlich wurde die Gemeinde Dequede aufgelöst und alle Ortsteile nach Krevese eingemeindet.


Entwicklung seit der politischen Wende von 1989/90

Die „Wende“ brachte neben der lang ersehnten Demokratie und Freiheit für die Einwohner von Dequede auch erhebliche Umbrüche im Alltagsleben mit sich. Der drastisch gesunkene Arbeitskräftebedarf in der Landwirtschaft, den gewerblichen Betrieben, aber auch öffentlichen Einrichtungen der näheren und weiteren Umgebung bedeutete anfangs auch für das Dorf eine hohe Arbeitslosigkeit. Dies beschleunigte die negative demografische Entwicklung zusätzlich. (1991: 86; 2005: 70; 2010: 66; 2015: 56). Neben der unverbauten Natur haben die Dorferneuerung, Investitionen in die Infrastruktur, vor allem aber die aktive Dorfgemeinschaft dafür gesorgt, dass es sich auch heute in Dequede gut leben lässt.


Text: Corrie Leitz (Historikerin)
Diese Ortsbeschreibung wurde mit freundlicher Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Tourismusprojektes 2015-2017 erstellt.

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