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Huchel-Spargel kehrt in die Altmark zurück

erstellt von Jana Henning | |   Presse

Erste Spitzen gucken aus dem Acker | volle Ernte zum 100-jährigen Jubiläum "Spargelhochzucht Osterburg" möglich

Einst hatte der Spargelanbau eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Einheitsgemeinde Osterburg. Dieses einst geht konkret aufs Jahr 1929 zurück, als August Huchel (1889-1963) die „Deutsche Spargelhochzucht-Gesellschaft Osterburg/Altmark“ gründet. Hier also steht die Wiege des modernen Spargelanbaus. Hier feiern wir deswegen nicht einfach nur ein Stadtfest. Hier heißt es aus gutem Grund Spargelfest – und vom 8. bis 10. Mai 2026 ist es wieder soweit.

2.000 Pflanzen gesetzt

Spargelfelder prägen die Landschaft nicht mehr wie zu Huchels Zeiten, ok. Doch weg sind sie nicht. Versteckter vielleicht. Abseits der Landstraßen. Wie zwischen Meßdorf und Biesenthal in der Nachbargemeinde Bismark, wo der Landwirtschaftsbetrieb Michael & Tinneberg GbR gerade ein Pilotprojekt startet. „Mal sehen wie das funktioniert“; äußert sich Dipl.-Agrarwirt Axel Tinneberg mit gesundem Pioniergeist auf altmärkisch. Doch understatement in der Praxis ist anders. Denn gleich 2.000 Pflanzen der alten Sorte „Huchels Leistungsauslese“ kommen Ende April über den Walbecker Huchelspargel Verein organisiert am Meßdorfer Lindenanger an und werden im Abstand von 30 Zentimetern in einer 640 Meter langen Reihe gesetzt.

"Das Spargelfest verbindet"

Die nordrhein-westfälischen und altmärkischen Spargel-Enthusiasten lernen sich 2025 am Stadtfeststand der Tinneberger kennen. „Das Spargelfest verbindet“, sagt Alexandra Tinneberg und sie reden nicht nur, sie handeln – sind sich direkt einig: „Wir müssen die alte Sorte zurück in die Region holen.“ Dorthin wo alles begann. Geendet ist es in Walbeck nie so ganz. Dorthin ging Huchel 1953 und machte bis zu seinem Tod weiter mit dem Edelgemüse. Bis in die 1990er Jahre gehörte seine Sorte zum festen Repertoire auf den regionalen Märkten. Und dann passiert, was oft passiert: moderne männliche Hybridsorten erobern den Markt – sind schneller, ergiebiger, breiten sich auf den Feldern aus; lassen aber nur eingeschränkte Vermehrung von Saatgut zu. Bei den alten Sorten ist das anders: beide Pflanzengeschlechter kommen in die Erde.

Totgeglaubte leben länger

Was für ein Glück, so ist Erhaltungszüchtung der Huchel-Stangen möglich und es bleibt nicht beim Spruch: Totgeglaubte leben länger. Es folgen Taten. Wiederbelebungsversuche glücken, Aloys Rosen aus Alt Mölln liefert Huchel-Pflanzen – als einziger in Deutschland; noch gut zwei Hand voll norddeutsche Landwirtschaftsbetriebe bauen sie an. Seit 2022 sind die Stangen offiziell Passagier auf der „Arche des Geschmacks“; einem internationalen Slow-Food-Projekt, das vor dem Vergessen schützen und die kulinarische Vielfalt bewahren soll. Huchel-Spargel? „Schmeckt wie früher, unvergleichlich und harmonisch“, heißt es dort.

In den 1930er Jahren nahm von der Altmark aus der Transfer zur „Diva unter den Gemüsepflanzen“ auf der Wissensautobahn schnell Fahrt auf und verbreitete sich in ganz Deutschland. Und auch europaweit hat sich „Spargelprofessor“ Huchel einen Namen gemacht. Nun kommt sie zurück. Warum Diva? Spargel lässt halt auf sich warten. Exakt drei Jahre bevor die erste Ernte eingefahren – oder in dem Fall treffender gesagt – eingesteckt werden kann. Darum! Huchel-Spargel direkt aus der Altmark ist also frühestens 2028 auf dem Markt. „Man tut der Pflanze einen Gefallen, wenn man sie in Ruhe lässt“, schauen die gelernte Zierpflanzengärtnerin Alexandra und Tochter Helene, die Agrarmanagement studiert, auf dem Feld nach den Fortschritten. Erste kleine grüne Köpfe bohren sich durch die Erde. Und zum 100-jährigen Jubiläum der Gründung der Spargelhochzucht in Osterburg dann, gibt es volle Ernte. „Wenn’s gut läuft“, bleibt die Familie auf dem Boden und wartet ab. Wie bei den anderen Spargelsorten rechts und links neben Huchel, wo alles ohne beheizte Felder wächst und auch an einem Stand beim Osterburger Stadt- und Spargelfest angeboten wird.

Link zum Programm Stadt- und Spargelfest 2026

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Alexandra Tinneberg (links) und Tochter Helene auf dem Spargelacker zwischen Meßdorf und Biesenthal, wo neben dem Grünspargel (vorne) auch die Huchel-Pflanzen gedeihen. Foto: Jana Henning
Erste kleine Huchel-Spargelköpfe bohren sich durch die altmärkische Erde.